Saldosteuersatz: die einfache MWST-Abrechnung erklärt
Mit dem Saldosteuersatz rechnest du die MWST mit einem einzigen Branchensatz ab — ohne jede Vorsteuer einzeln zu erfassen. So funktioniert die Methode.
Wenn du mehrwertsteuerpflichtig wirst, musst du dich für eine Abrechnungsmethode entscheiden. Für die meisten Selbständigen ist der Saldosteuersatz die deutlich angenehmere Wahl — und oft auch die günstigere.
Das Prinzip in einem Satz
Statt jede einzelne Vorsteuer zu erfassen und von der Umsatzsteuer abzuziehen, multiplizierst du deinen Bruttoumsatz mit einem einzigen, reduzierten Satz. Fertig.
Der Satz ist deshalb niedriger als der gesetzliche, weil die Vorsteuer darin bereits pauschal eingerechnet ist. Die ESTV hat für jede Branche ermittelt, wie viel Vorsteuer dort typischerweise anfällt, und den Satz entsprechend heruntergesetzt.
Ein Rechenbeispiel
Nehmen wir eine Beraterin mit einem Saldosteuersatz von 6.1 % und CHF 45’000 Bruttoumsatz im ersten Semester:
| Bruttoumsatz (inkl. MWST) | 45'000.00 |
| Saldosteuersatz 6.1 %45'000.00 × 6.1 % | 2'745.00 |
| Geschuldete MWST | 2'745.00 |
Keine einzige Vorsteuer musste erfasst werden.
Zum Vergleich dieselbe Situation nach der effektiven Methode, bei der die Beraterin jede Vorsteuer einzeln erfassen müsste:
| Umsatzsteuer 8.1 % aus Brutto45'000 × 8.1 / 108.1 | 3'371.88 |
| Abzüglich Vorsteuer auf Aufwandaus 12 einzelnen Belegen | −412.00 |
| Geschuldete MWST | 2'959.88 |
Mehr Aufwand — und in diesem Fall auch mehr Steuer.
Die Saldomethode kostet sie hier CHF 214.88 weniger und spart die Erfassung von zwölf Vorsteuerbelegen.
Der teuerste Irrtum
Das hier ist der Fehler, der am häufigsten passiert und richtig Geld kostet:
Wer die Methode anwenden darf
Zwei Grenzen, beide für Einzelfirmen praktisch nie relevant:
- höchstens CHF 5'024'000.– steuerbarer Jahresumsatz
- höchstens CHF 108'000.– jährliche Steuerzahllast
Die Anwendung musst du bei der ESTV beantragen. Danach bist du für mindestens eine Steuerperiode daran gebunden.
Die Branchensätze
Die ESTV legt den Satz für jede Tätigkeit einzeln fest. Die Spanne reicht von 0.1 % bis 6.8 %. Grob gilt: Je weniger Material und Fremdleistungen du einkaufst, desto höher dein Satz.
| Typ der Tätigkeit | Tendenz |
|---|---|
| Beratung, Coaching, Software, Design | hoch (wenig Vorsteuer) |
| Handwerk mit Materialeinsatz | mittel |
| Handel mit Waren | tief (viel Vorsteuer) |
Abrechnungsrhythmus
Ein angenehmer Nebeneffekt: Mit der Saldomethode rechnest du nur halbjährlich ab statt quartalsweise. Zwei Termine im Jahr statt vier.
Die Frist beträgt in beiden Fällen 60 Tage nach Ende der Abrechnungsperiode.
Vereinnahmt oder vereinbart?
Zusätzlich zur Methode wählst du den Zeitpunkt, auf den abgestellt wird:
- Nach vereinnahmtem Entgelt — die Steuer wird fällig, wenn der Kunde bezahlt.
- Nach vereinbartem Entgelt — die Steuer wird fällig, wenn du die Rechnung stellst.
Für die Liquidität ist die vereinnahmte Variante fast immer besser: Du zahlst die Steuer erst, wenn du das Geld tatsächlich hast. Bei Kunden mit langen Zahlungsfristen macht das einen spürbaren Unterschied.
Zusammengefasst
- Bruttoumsatz × Branchensatz = geschuldete MWST. Keine Vorsteuererfassung.
- Den Kunden immer den gesetzlichen Satz verrechnen, nie den Saldosatz.
- Lohnt sich bei wenig Vorsteuer — also für die meisten Dienstleister.
- Nur halbjährliche Abrechnung statt quartalsweise.
- Beantragung bei der ESTV, Bindung für mindestens eine Steuerperiode.
Stand der Angaben: Die in diesem Artikel genannten Sätze und Beträge entsprechen dem Stand vom 6. August 2026. Sie dienen der Information und ersetzen keine Steuer- oder Rechtsberatung. Verbindliche Auskünfte erteilen die ESTV, deine kantonale Steuerverwaltung oder eine Treuhandstelle.
Häufige Fragen
- Was ist der Saldosteuersatz?
- Ein von der ESTV je Branche festgelegter, reduzierter Prozentsatz. Du multiplizierst deinen Bruttoumsatz damit und schuldest das Ergebnis — die Vorsteuer ist im Satz bereits pauschal berücksichtigt. Du musst also keine einzelnen Vorsteuerbelege erfassen.
- Wie hoch ist mein Saldosteuersatz?
- Das legt die ESTV für deine Branche fest. Die Sätze liegen zwischen 0.1 Prozent und 6.8 Prozent. Beratende und andere Dienstleistungen ohne grossen Materialeinsatz liegen typischerweise im oberen Bereich, Handelsbetriebe mit hohem Wareneinsatz weit unten.
- Wer darf die Saldomethode anwenden?
- Wer höchstens CHF 5 024 000 steuerbaren Jahresumsatz erzielt und dessen jährliche Steuerzahllast CHF 108 000 nicht übersteigt. Für Selbständige mit Einzelfirma sind das praktisch nie einschränkende Grenzen.
- Was rechne ich meinen Kunden in Rechnung?
- Den normalen gesetzlichen Satz, also in der Regel 8.1 Prozent — nicht deinen Saldosteuersatz. Der Saldosatz betrifft nur dein Verhältnis zur ESTV, nie die Rechnung an den Kunden. Das ist der häufigste Fehler überhaupt.
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